Anna Jermolaewa

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Claudia Spinelli,
Zur Ausstellung in der Galerie Walcheturm, 2000

Die Video- und Fotoarbeiten von Anna Jermolaewa bestechen durch eine unprätentiöse,prägnante Bildsprache. Mit ihrer Kamera beobachtet sie Situationen, die zumeist von einem einzelnen Motiv geprägt sind. Seien dies nun knusprige Brathänchen, die sich an einem Spiess drehen, ein mechanisches Plüschhäschen, das auf die Kamera zuwackelt oder eine Hündin, die ihre Jungen säugt und gleichzeitig nach der Hand eines Mannes schnappt: die kurzen Sequenzen sind ebenso simpel wie komplex.
Gerade weil sie sich auf eine an und für sich banale Alltagswelt bezieht, vermittelt sich in Anna Jermolaewas Bildwelt eine ins Existentielle greifende Metaphorik. So erzählen die kurzen Handlungsfolgen, die in endloser Wiederholung aneinandergereiht projiziert oder auf Monitoren präsentiert werden, von den Absonderlichkeiten einer widersprüchlichen Wirklichkeit, von Konsum und Konditionierung, Sehnsucht und Angst.
Ganz Vertreterin ihrer Generation versteht es die 1970 geborene Künstlerin, ihrPublikum auf einer affektiven Ebene unmittelbar zu fesseln. Als zugleich Beobachtende und auch Involvierte lässt sie Ernsthaftigkeit und Ironie bruchlos ineinander übergehen und vermag es, die Frage nach einem grundsätzlichen Sinn auf höchst zeitgemässe
Art und Weise, ohne jeden moralischen Schwulst, immer wieder neu zu stellen.

Wie einige andere Künstler unseres Programmes auch ist Anna Jermolaewa erstmals im Rahmen der letztjährigen Biennale einer breiteren Oeffentlichkeit aufgefallen. In ihrer ersten Einzelausstellung in der Schweiz werden neben drei Videoarbeiten auch ausgewählte Fotoarbeiten zu sehen sein.