Anna Jermolaewa

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Hans-Peter Wipplinger
in: Art Catalog, T-Mobil Austria, 2007.

Anne Jermolaewa legt sich auf kein Medium fest: Zeichnung, Fotografie, Installation, Performance und Video wählt sie themenspezifisch, wobei Letzterem ein großer Stellenwert in ihrem Werk zukommt. Mit einfachen Mitteln dreht sie kurze Sequenzen, die sie durch Looping zu eindringlichen Erzählungen formt. Durch monotone Bewegungsabläufe und ständige Wiederholung kippt das Banale – und auf den ersten Blick Harmlose – ins Bedrückende.
Von unsichtbarer Hand manipuliertes Spielzeug verwandelt sie so z. B. in bedrohlich irreale Wesen. Machtmechanismen zu entblößen, ist Jermolaewa dabei ebenso ein Anliegen wie das Offenlegen von Beziehungsstrukturen. Für die Darstellung gesellschaftlicher Missstände, die Mechanismen der Kontrollgesellschaft, patriarchale Strukturen und Konsum findet sie überzeugende Metaphern.
Ihre vielschichtigen Arbeiten sind durch den immer anwesenden Humor leicht zugänglich, weisen aber hinter der ansprechenden Oberfläche äußerst kritisches Potential auf. Wenn sie in ihrer Arbeit „Research for Sleeping Positions“ dabei gefilmt wird, wie sie nach einer bequemen Schlafposition auf einer öffentlichen Bank sucht, zeigt Jermolaewa nicht nur, dass die Stadtverwaltung darum bemüht ist, das Verweilen an öffentlichen Orten möglichst wenig einladend zu gestalten, sondern macht auch auf Ausschließungsmechanismen unserer Gesellschaft aufmerksam.
Die im T-Center gezeigten Stills des Videos „Kurvenreich“ zeigen einen Frauenkörper,
über den sich ein Spielzeugauto den Weg bahnt. Das Fetischobjekt Sportwagen trifft auf nackte Weiblichkeit: ein beliebtes Verkaufspaar auf Automessen und in Hochglanzmagazinen. Genau dieses Assoziationspaar, Auto und Frau, Objekt der Begierde bzw. die Sexualisierung des Autos, greift Jermolaewa in dieser Arbeit augenzwinkernd auf und stellt so gängige Gedankenmuster zur Diskussion.
In der ebenfalls im T-Center präsentierten Fotografie der drei wasserspeienden Micky Mouse-Köpfe verwandelt Jermolaewa die Masken in Brunnen-Objekte.
Die deformierten Köpfe verlieren durch die Zweckentfremdung ihre comic-hafte Lieblichkeit und werden zu skurrilen, fast unheimlichen, heulenden Monstern.