Anna Jermolaewa

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Auf ironisch-spielerische Art vereint Anna Jermolaewa in diesem kurzen, geschmeidig geschnittenen Video zwei der beliebtesten Klischees erotischer Männerfantasien: schöne Frauen und schnelle Autos. Weitab von Bildern, die durch mediale Vermarktungsstrategien geprägt sind, kurvt in Jermolaewas Video ein roter Spielzeug-Sportwagen über die sanften Hügel weiblicher Körperlandschaften und vermisst so Stück für Stück den Frauenkörper in einer Endlosschleife. Durch die fragmentierte Sicht des Leibes und den Verzicht auf eine Personalisierung durch das Zeigen des Gesichtes entzieht sich das Video ganz bewusst der erwarteten Sexualisierung und verharrt spielerisch im sinnlichen „Erfahren“ der Körpergrenzen.

Alexandra Hennig

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Eine gekonnte Neubefahrung des Terrains weiblicher Erotik und/oder Sexualität ist Kurvenreich, ein 2002 entstandener dreiminütiger Videoloop. Die Abfolge knapp und schön geschnittener Fragmente zeigt ein kleines rotes Spielzeug-Sportauto, das den Kurven eines weiblichen Körpers (des Körpers der Künstlerin vielleicht?) folgt, durch eine Körperlandschaft rast, die ebenso objektiviert wie sinnlich ist. Man hört nichts als das Reibungsgeräusch der Reifen des sich über die Hautoberfläche bewegenden Wagens. Es ist fast, als ob das Auto zu einem kartografischen Mittel würde, das den Körper dieser Frau erfasst, deren Gesicht man nie sieht; wie ein im Raum zeichnender Bleistift umreißt das Auto den Körper, als ob es eine Skulptur andeuten wollte. Mit der für sie charakteristischen Leichtigkeit hinterfragt Jermolaewa auf humoristische Weise eine zum Gemeinplatz gewordene kulturelle Trope: die Sexualisierung des Automobils (also von Männern, die kurvige Sportwagen fahren) bzw., im Fall von Autorennen, die Hochgeschwindigkeitsverlängerung männlicher Macht (den mobilen Phallus). Was dieses elegant konstruierte Video betrifft, könnte man das rote Spielzeug-Sportauto auch als symbolischen Ersatz des männlichen Körpers interpretieren. Und da das Spielzeugauto auch für die Welt der Kinder und des Spielens steht, lässt die Einführung dieses Zeichens der „Unschuld“ mögliche andere verstörende Konnotationen anklingen.

Joshua Decter, Playing Along with Anna, in:
Catalogue: Anna Jermolaewa Big Sister / The Five Year Plan, Wien 2002.

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Female eroticism and/or sexuality is skillfully re-navigated in “Kurvenreich” (“Curvy”), a 3-minute video loop from 2002. Here, in a sequence of tightly and beautifully edited sequence of fragments, a little toy red sports car is seen navigating the curves of a woman’s body (the artist’s, perchance?), racing across a corporeal landscape which is as objectified as it is sensuous. The only sound element is the friction of the toy car’s wheels as it moves across the skin’s surface. It is almost as if the car becomes a mapping device of this woman’s body, whose face is never revealed; like a pencil drawing in space, the car articulates the line of the corpus, as if to suggest a sculptural entity. With her trademark light touch, Jermolaewa humorously interrogates a commonplace cultural trope: the sexualization of the automobile (i.e., men ‘riding’ curvaceously sexy sport-cars), or, in the case of car racing, a high-velocity extension of male power (the mobile phallus). In this elegantly constructed video, the red toy sports car might also be construed as the symbolic substitute of the man’s body. And, as the toy car also represents the world of children and play, the introduction of this sign of ‘innocence’ triggers the possibility of other disturbing connotations.


Joshua Decter, Playing Along with Anna, in:
Catalogue: Anna Jermolaewa Big Sister / The Five Year Plan, Wien 2002.