Anna Jermolaewa

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Anna Jermolaewa fokussiert eine hyperkulturelle Welt der Dinge, die aus ihrem jeweiligen Ort, aus ihrem historischen Kontext und rituellen Sinnzusammenhang gelöst und durch Massenproduktion und Globalisierungsprozesse in ein indifferentes Nebeneinander gestellt wurden. Diesen Objekten, seien es Konsumgüter oder Dienstleistungen, verleiht die Künstlerin eine neue Identität.
Das Video „Fur Hood“ (2005) zeigt de facto eine Pelzhaube in Großaufnahme, der sie eine neue Frisur verpasst. Das Radio spielt im Hintergrund, als die Schere ansetzt. Der Akt des Schneidens kommt einer rituellen Handlung gleich. Die Pelzhaube ist ein kulturell konnotiertes Symbol, hier ein Ausdruck soziokultureller Identität in Russland, wo eben jene Kopfbekleidung aus dem Alltag nicht wegzudenken ist. In den Wintermonaten prägt die schmucke, bauschige Mütze das moderne Stadtbild ebenso wie den ländlichen Raum und wird zum Ausdruck des Kollektivs, zur Uniform der Masse. Die Aktion von Jermolaewa ist also nicht weniger brisant, als ob sie eine Nationalfahne verbrenne.

Autorin: Bärbel Vischer in FROM RUSSIA WITH LOVE, Ausstellungskatalog, Meran, 2007.